
Die Tropfenfotografie ist eine faszinierende Spielwiese für experimentierfreudige Fotografen. Jetzt wo sich der Sommer (leider) so langsam dem Ende zuneigt, bietet die Tropfenfotografie viel Spielraum für die Fotografie zu Hause bei „Shitwetter“. Sicherlich hat der eine oder andere von Euch schon einmal probiert Tropfen zu fotografieren. Bei mir hat es so angefangen, dass ich einen Wasserhahn leicht aufgedreht habe, in der Hoffnung einen Tropfen in schöner Form mit meiner Kamera festhalten zu können. Tatsächlich ist das ab und zu sogar gelungen.
Aber diese schönen „Tropfenschirmchen“ lassen sich so nur ganz selten realisieren und es braucht schon extrem viel Geduld bis ein Bild einmal halbwegs was wird.
Mittlerweile gibt es sehr schöne Hilfsmittel für diese Art der Fotografie, die kein Vermögen kosten und auch kein Elektroingenieurstudium vorraussetzen.
Mein Equipement für die Tropfenfotografie
Ich nutze mittlerweile einen Plutotrigger sowie die Tropfenventile von Pluto https://de.plutotrigger.com/products/pluto-trigger .
Das Ganze kostet noch keine 150 € und hat sich bei mir schon sehr bewährt (nicht nur für die Tropfenfotografie)
Ausserdem verwende ich 3 Neewer TT560 Blitze sowie die günstigen Funkauslöser von Neewer (zusammen ca. 100 €).
Ihr seht für ca. 250 € bekommt Ihr schon so ziemlich alles, was Ihr für die Tropfenfotografie benötigt.
Wie das Ganze funktioniert?
Im Prinzip eigentlich ganz einfach. Der Plutotrigger wird mit dem Magnetventil und einen Blitzfunkauslöser verkabelt. Der Trigger hat nun 3 Aufgaben
- das Magnetventil ansteuern damit ein Tropfen ausgelöst wird
- meine Kamera auslösen (funktioniert mit Sony sehr gut, die Erfahrung aus meinen Fotokursen hat aber leider gezeigt, dass sich nicht jede Kamera per IR auslösen lässt)
- den Blitz nach einer vorgegebenen Zeit auslösen und zwar möglichst im richtigen Moment
Der richtige Moment
Damit wären wir bei einem der wichtigsten Faktoren. Das Timing ist bei Tropfenfotografie einer der entscheidenden Punkte. Der Blitz sollte genau dann auslösen wenn der Tropfen eine schöne Form hat. Hierzu kann ich dem Plutotrigger Millisekunden genau angeben wann der Tropfen fallen soll und wieviel Millisekunden später der Blitz auslösen soll. Es ist wichtig, dass der 1. Tropfen eine gute stabile Form hat, bevor wir überhaupt an den 2. Tropfen denken sollten. Anhand des nachfolgenden Bildes könnt Ihr die Entstehung des 1. Tropfens nachvollziehen.
Nachdem der Tropfen die Wasseroberfläche erreicht hat (290 ms) folgt die Phase der Krönchenbildung. Ab 360 ms beginnt sich die Tropfensäule aufzubauen. Die beste Tropfenform für ein TaT (Tropfen auf Tropfen) liegt zwischen 380 ms und 390 ms. Somit steht die Blitzverzögerung für den 1. Tropfen fest und lässt sich mit dem Plutotrigger gut reproduzieren.
Jetzt können wir über den 2. Tropfen nachdenken. Auch hier ist das richtige Timing entscheidend. Der 2. Tropfen sollte dem 1. Tropfen nicht zu früh folgen, damit sich der 1. Tropfen gut aufbauen kann, er darf aber auch nicht zu spät auf die Reise geschickt werden sonst treffen sich die beiden gar nicht. Auch die Verzögerung des 2. Tropfens lässt sich mit dem Plutotrigger sehr genau einstellen.
Anhand des folgenden Bildes erkennt Ihr das Zusammentreffen des 1. und des 2. Tropfens
Die ms Angaben unter den Bildern zeigen wie lange das Magnetventil gewartet hat bis der 2. Tropfen ausgelöst wurde. Bei 90 ms war der 2. Tropfen zu spät und trifft den 1. Tropfen nicht mehr. Bei 85 ms kommt es zu einem ersten Kontakt der beiden Tropfen, es entsteht aber noch kein ausgeprägter Schirm. Zwischen 80 und 70 ms erhalten wir schöne TaT´s. Ab 65 ms „erdrückt“ der 2. Tropfen den 1. Tropfen. Anhand dieser Reihe würde ich für den 2. Tropfen 75 ms als Verzögerung am Plutotrigger einstellen. Ihr müsst diese Werte für jeden Setaufbau neu bestimmen, da immer irgendetwas geändert wurde.
Und wie geht es jetzt weiter?
Wenn Ihr die o.g. Einstellungen gefunden habt, bekommt Ihr nach meiner Erfahrung sehr gut reproduzierbare TaT´s. Jetzt könnt Ihr kreativ werden und Eure Lichtsetzung variieren und mit Gelfiltern Farbe ins Spiel bringen.
Falls Ihr das einmal unter Anleitung praktisch ausprobieren möchtet, schaut einfach einmal in unserem Fotokursangebot nach Tropfen- und Splashfotografie.




Moin.
Vielen Dank für die extrem genaue Angaben… Auch in Bild. Perfekt gemacht. Mehr geht nicht…….
…. oder vielleicht doch…. ein Gedanke von mir wäre die Fallhöhe.
Ich finde in ihrem Blog keine Angabe zur entsprechenden Fallhöhe der Tropfen von der Düse zur Wasseroberfläche. Ist das nicht ein entscheidender Parameter? Auch die Abbrennzeit der Blitze kann sich maßgeblich auf das Ergebniss auswirken, denke ich.
Für welche Fallhöhe waren ihre Angaben ausgerichtet. Ich würde das sehr gerne mal mit ihren Angaben ausprobieren. Ihre Fotos sind wirklich sehr schön.
Mit freundlichen Grüßen.
Andreas Mundt
Hallo Andreas,
vielen Dank für den netten Kommentar. Die Fallhöhe hat natürlich einen Einfluss auf die Tropfenbildung. Ich habe gute Erfahrungen mit einer Fallhöhe im Bereich 20-30 cm gemacht. Da sich die Höhe bei jedem Setaufbau immer etwas verändert, müssen allerdings alle Parameter bei jedem Setaufbau durch ausprobieren neu bestimmt werden. Wie schon von Dir angemerkt hat auch die Abbrenndauer der Blitze einen wesentlichen Einfluß auf das „Einfrieren“ der Tropfen. Die Abbrenndauer ist von der Blitzstärke abhängig. Je stärker die Blitzleistung desto länger die Abbrenndauer. Ich stelle meine Blitze im Bereich 1/128 bis 1/64 Leistung am Blitz manuell ein. Die Abbrenndauer liegt dann in einem Bereich von ca. einer 1/20000 bis 1/10000 sec.
Viel Spaß beim Probieren…
Viele Grüße
Jürgen